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Barrierefreiheit in der Finanzbranche: Banking-Apps und Online-Banking

Banking-Apps entscheiden über finanzielle Teilhabe. TAN-Verfahren, Biometrie und Session-Timeouts barrierefrei gestalten — Best Practices für die Finanzbranche.

Thomas Huhn• CEO & Co-Founder
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Illustration zu Barrierefreiheit in der Finanzbranche

Barrierefreiheit in der Finanzbranche: Banking-Apps und Online-Banking

Geld ist digital geworden. Überweisungen, Kontostand prüfen, Wertpapiere handeln, Versicherungen abschließen — alles läuft über Apps und Websites. Wer diese Services nicht nutzen kann, ist vom Finanzleben ausgeschlossen.

📋 Auf einen Blick

  • Banking-Apps und Online-Banking gehören zu den am stärksten vom BFSG betroffenen Bereichen
  • Bankdienstleistungen für Verbraucher sind im BFSG ausdrücklich genannt
  • Barrierefreies Banking erreicht auch die gut 7,8 Mio. schwerbehinderten Menschen in Deutschland (Statistisches Bundesamt, Stand Ende 2025)
  • accessibleAI prüft Banking-Websites automatisiert auf erkennbare Barrieren. Komplexe Formulare und Transaktionsabläufe brauchen zusätzlich manuelle Tests

Für die Finanzbranche ist das Thema besonders wichtig. Das BFSG gilt seit dem 28. Juni 2025 auch für Bankdienstleistungen für Verbraucher. Banken und FinTechs mit solchen Angeboten müssen ihre Websites und Apps barrierefrei gestalten. Versicherer und andere Finanzanbieter, die Verträge online mit Verbrauchern schließen, sollten prüfen, ob sie als Anbieter von Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr erfasst sind. Zuständig für die Kontrolle ist die gemeinsame Marktüberwachungsstelle der Länder (MLBF).

Warum die Finanzbranche besonders betroffen ist

Drei Gründe:

  1. Pflichtdienste: Bankkonten und Versicherungen sind keine Luxusgüter. Sie sind Grundvoraussetzungen für gesellschaftliche Teilhabe. Wer kein Konto eröffnen kann, kann keine Wohnung mieten, keinen Arbeitsvertrag unterschreiben, nichts online bestellen.
  2. Komplexe UIs: Finanz-Apps haben überdurchschnittlich komplexe Oberflächen. Tabellen, Diagramme, Multi-Step-Prozesse, Sicherheitsabfragen — jedes Element ist eine potenzielle Barriere.
  3. Sicherheit vs. Zugänglichkeit: Sicherheitsfeatures wie TAN-Verfahren, Biometrie und Zeitlimits können Barrierefreiheit direkt aushebeln.

Die größten Herausforderungen

TAN-Verfahren und Zwei-Faktor-Authentifizierung

PhotoTAN erfordert das Abfotografieren eines QR-Codes. Für blinde Nutzer unmöglich. PushTAN setzt eine zweite App voraus, zwischen der gewechselt werden muss — verwirrend für viele Nutzer mit kognitiven Einschränkungen.

Lösung: Jedes TAN-Verfahren muss eine barrierefreie Alternative haben. SMS-TAN ist für viele Screenreader-Nutzer gut zugänglich, weil der Text vorgelesen wird, gilt aber als weniger sicher. Manche Banken bieten FIDO2-Keys als Alternative — physische USB-Geräte, die Tastendruck statt visuelle Interaktion erfordern.

Biometrische Verfahren

Face ID und Fingerabdruck sind für viele Nutzer die einfachste Authentifizierung. Aber nicht für alle: Menschen mit bestimmten Behinderungen können biometrische Verfahren nicht nutzen. Es muss immer eine nicht-biometrische Alternative geben.

Kontostände und Finanzdaten

Tabellen mit Transaktionshistorien, Kreisdiagramme zur Vermögensaufteilung, Kurscharts — all das muss für Screenreader lesbar sein. Die Herausforderung: Komplexe Datenvisualisierungen in Text zu übersetzen, ohne die Information zu verlieren.

Zeitlimits bei Transaktionen

Sessions in Banking-Apps laufen aus Sicherheitsgründen schnell ab. Für Nutzer, die länger für Eingaben brauchen, bedeutet das: Transaktion abgebrochen, von vorne anfangen. Die WCAG fordert verlängerbare Zeitlimits — das muss mit den Sicherheitsanforderungen in Einklang gebracht werden.

Best Practices für barrierefreie Banking-Apps

  • Alternative Authentifizierungsmethoden für jedes TAN-Verfahren
  • Tabellarische Kontodaten mit korrekten ARIA-Attributen
  • Diagramme mit Textbeschreibungen und Datentabellen als Alternative
  • Verlängerbare Session-Timeouts mit Vorwarnung
  • Hohe Farbkontraste — besonders für Beträge und Sicherheitsinformationen
  • Regelmäßige Tests mit Screenreadern

Häufige Fragen

Müssen auch Geldautomaten barrierefrei sein?

Ja. Das BFSG umfasst explizit Self-Service-Terminals, einschließlich Geldautomaten. Anforderungen: Sprachausgabe, taktile Markierungen, erreichbare Bedienelemente für Rollstuhlfahrer, ausreichende Kontraste.

Gelten die Anforderungen auch für Neobanken und FinTechs?

Ja, wenn sie Bankdienstleistungen für Verbraucher anbieten. Das BFSG macht keinen Unterschied zwischen traditionellen Banken und FinTechs. Ausgenommen sind Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen erbringen: weniger als 10 Beschäftigte und ein Jahresumsatz oder eine Jahresbilanz von höchstens 2 Mio. Euro (§ 3 Abs. 3 BFSG).

Was passiert, wenn eine Bank nicht BFSG-konform ist?

Die Marktüberwachung (MLBF) kann prüfen, auch stichprobenartig ohne Anlass (§ 28 BFSG). Bei Mängeln fordert sie zunächst mit Frist zur Behebung auf, droht dann die Untersagung an und kann das Angebot als letzte Stufe untersagen (§ 29 BFSG). Bußgelder reichen bis 100.000 Euro, wenn eine Dienstleistung entgegen § 14 Abs. 1 BFSG angeboten oder erbracht wird, in den übrigen Fällen bis 10.000 Euro (§ 37 BFSG). Verbraucherinnen und Verbraucher können, auch über anerkannte Verbände, ein Einschreiten der Behörde beantragen (§ 32 BFSG).

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Müssen Banking-Apps barrierefrei sein?

Ja. Bankdienstleistungen für Verbraucher sind im BFSG explizit reguliert. Online-Banking und Banking-Apps müssen seit Juni 2025 die Barrierefreiheitsanforderungen erfüllen. Als technischer Maßstab dient die europäische Norm EN 301 549, die auf WCAG Level AA aufbaut (bisher WCAG 2.1, in der Fassung 4.1.1 vom September 2026 WCAG 2.2).

Welche Barrierefreiheitsprobleme haben Banking-Portale?

Häufige Probleme: Nicht-zugängliche TAN-Verfahren, komplexe Tabellen ohne Screenreader-Unterstützung, nicht-tastatur-bedienbare Überweisungsformulare und fehlende Fehlermeldungen bei Eingaben.

Wie gehen Banken die Umsetzung am besten an?

Eine automatisierte Prüfung, etwa mit accessibleAI, gibt einen ersten Überblick über automatisch erkennbare Barrieren. Danach folgen die Behebung im Code, priorisiert nach Schwere, und Tests mit Menschen, die Screenreader und andere Hilfsmittel nutzen. TAN-Verfahren und Transaktionsabläufe lassen sich nur manuell zuverlässig prüfen.

Über den Autor

Thomas Huhn

Thomas Huhn

CEO & Co-Founder

accessibleAI SmartCompliance GmbH

Thomas ist CEO und Co-Founder von accessibleAI. Er entwickelt KI-gestützte Lösungen für Web-Barrierefreiheit und schreibt über die neuesten Entwicklungen in WCAG, Compliance und automatisierte Accessibility-Tools.

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Mehrere tausend Websites im Barrierefreiheitsindex, geprüft nach 55 WCAG-2.2-AA-Kriterien.

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