Erster „Index für digitale Barrierefreiheit" zeigt: Nur 0,3 Prozent der meistbesuchten deutschen Websites sind vollständig barrierefrei
Münchner Start-up accessibleAI veröffentlicht umfassende Analyse von über 1.700 Websites — Apotheken und Online-Shops schneiden am schlechtesten ab — Durchsetzung des BFSG nimmt 2027 Fahrt auf.
München, März 2026 — Neun Monate nach Inkrafttreten des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG) hat die Münchner accessibleAI Smart Compliance GmbH den ersten „Index für digitale Barrierefreiheit" (IfDB) veröffentlicht. Das Ergebnis ist ernüchternd: Von über 1.700 der meistbesuchten deutschen Websites erfüllen nur 5 (0,3 %) sämtliche gesetzlichen Anforderungen an die digitale Barrierefreiheit vollständig.
Was der Index misst
Der IfDB prüft Websites anhand von 55 Kriterien der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.2 auf Stufe AA — dem internationalen Standard, auf den das BFSG verweist. Geprüft wird vollautomatisch: Alternativtexte für Bilder, Farbkontraste, Tastaturbedienbarkeit, Formularbeschriftungen, Dokumentstruktur und dutzende weitere Anforderungen, die für Menschen mit Behinderungen den Unterschied zwischen Nutzbarkeit und Ausschluss bedeuten.
Die Datenbasis bildet die Tranco-Liste, eine anerkannte, quelloffene Rangliste der meistbesuchten Websites weltweit. Daraus wurden die Top-Domains mit Sitz in Deutschland identifiziert und nach 30 Branchenkategorien klassifiziert.
Die Ergebnisse
- Durchschnitt: 83 von 100 möglichen Punkten
- Median: 82 Punkte
- Spannweite: 62 bis 100 Punkte
- Unter 80 Punkten: 299 Websites (18 %)
- 100 Punkte: 5 Websites (0,3 %)
Ein Wert von 83 Punkten klingt auf den ersten Blick ordentlich. In der Praxis bedeutet er jedoch, dass auf fast jeder untersuchten Website Barrieren existieren, die Menschen mit Behinderungen den Zugang erschweren oder unmöglich machen.
Branchen im Vergleich
Besonders schlecht schneiden ausgerechnet jene Branchen ab, die als Anbieter von Produkten und Dienstleistungen unmittelbar unter das BFSG fallen: E-Commerce-Anbieter, Apotheken und Hotels bilden das Schlusslicht des Rankings.
Am besten aufgestellt sind Kultureinrichtungen, der Finanzsektor und Energieversorger — Branchen, in denen Regulierung und öffentliche Sichtbarkeit traditionell höher sind.
Warum das jetzt relevant ist
Das BFSG ist seit dem 28. Juni 2025 in Kraft und setzt die EU-Richtlinie über die Barrierefreiheitsanforderungen für Produkte und Dienstleistungen (European Accessibility Act) in deutsches Recht um. Die Marktüberwachungsstelle der Länder für Barrierefreiheit (MLBF) in Magdeburg baut derzeit Personal und Kapazitäten auf. Erste systematische Prüfungen werden für 2027 erwartet.
Verbraucher und Verbände haben durch das BFSG zudem ein neues Klagerecht erhalten — bereits heute können Verstöße gemeldet werden. In anderen EU-Ländern wie Frankreich und Österreich wurden bereits rechtliche Schritte gegen nicht konforme Anbieter eingeleitet.
„Unternehmen, die jetzt nicht handeln, riskieren nicht nur Bußgelder von bis zu 100.000 Euro, sondern verlieren auch Kunden", sagt Thomas Huhn, Gründer und Geschäftsführer von accessibleAI. „Rund 13 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer anerkannten Behinderung. Barrierefreiheit ist kein Nischenthema — es ist Marktzugang."
Monatliche Aktualisierung
Der IfDB wird monatlich aktualisiert. Der zeitliche Verlauf des Barrierefreiheits-Scores jeder Website ist im Index öffentlich einsehbar — so wird sichtbar, ob und wie schnell Unternehmen ihre digitale Barrierefreiheit verbessern.
Die vollständigen Ergebnisse sind kostenlos zugänglich unter accessibleai.eu/index-digitale-barrierefreiheit.
Pressekontakt
Thomas Huhn, Geschäftsführer
accessibleAI Smart Compliance GmbH
Altheimer Eck 5, 80331 München
[email protected] | +49 89 41434227
accessibleai.eu
Über accessibleAI
accessibleAI ist eine KI-gestützte Compliance-Plattform für digitale Barrierefreiheit mit Sitz in München. Die Software prüft, überwacht und verbessert die WCAG-Konformität von Websites automatisiert — ohne Eingriff in den Quellcode. Alle Daten werden DSGVO-konform auf deutschen Servern (Frankfurt, ISO 27001) verarbeitet. Das Unternehmen wurde 2024 gegründet und betreibt mit dem Index für digitale Barrierefreiheit (IfDB) das erste unabhängige Ranking der digitalen Barrierefreiheit deutscher Websites.
Über accessibleAI: accessibleAI ist eine KI-gestützte Compliance-Plattform für digitale Barrierefreiheit mit Sitz in München. Die Software prüft, überwacht und verbessert die WCAG-Konformität von Websites automatisiert — ohne Eingriff in den Quellcode. Alle Daten werden DSGVO-konform auf deutschen Servern (Frankfurt, ISO 27001) verarbeitet. Das Unternehmen wurde 2024 gegründet.
Pressekontakt: Thomas Huhn, Geschäftsführer — [email protected] | +49 89 41434227